Ende Oktober war der Wiener Singverein Teil eines besonderen Projekts. Der Aufführung von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 2 in Taiwan. Alexander Keuk, Mitglied im Bass berichtet darüber:
Weltumspannende Aufführung
Der Wiener Singverein sang Gustav Mahlers "Auferstehungssymphonie" in Taiwan. Auf Einladung von Gustavo Dudamel und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra gastierte der Wiener Singverein Ende Oktober in Taiwan. Das US-amerikanische Orchester befand sich auf einer zweiwöchigen Asien-Tournee, und auf dem Programm für das Gastspiel in der National Concert Hall in Taipeh stand am 29. und 30. Oktober Gustav Mahlers 2. Sinfonie, die "Auferstehungssymphonie". Die Vertrautheit mit dem kolossalen Werk, das mit seinem Schöpfer in unmittelbarer Beziehung zu Wien steht und durch den Singverein fast jedes Jahr einmal aufgeführt wird, sowie eine fortgesetzte Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Gustavo Dudamel führte zu dieser Einladung, die eine Art globale Mahler-Aufführung ermöglichte: Gemeinsam mit dem ebenfalls aus den USA stammenden Stimmen des "Los Angeles Master Chorale" musizierte der Wiener Singverein als europäischer Chor mit dem amerikanischen Orchester auf asiatischem Boden – das war für Publikum wie Mitwirkende ein nachdrücklich wirkendes Erlebnis von weltumspannenden Klängen. Der Wiener Singverein trat zum ersten Mal in Taiwan auf und konnte die besonders aufmerksame Gastfreundschaft des Landes genießen - viele neue Kontakte wurden geknüpft. Obwohl der Singverein schon mehrfach in Asien gastierte, war eine solch weite Reise (8800 km Luftlinie) für einige Sängerinnen und Sänger das erste Mal. Die Begegnung mit der asiatischen Kultur und speziell der großstädtischen Lebensart in Taipeh geriet intensiv, da der Chor vor den Proben auch einige Stunden der Akklimatisierung genießen konnte. Da wurden vor allem die Tempel, Museen und Märkte der Stadt erkundet, die den Singverein zunächst mit ausgiebigem Regen begrüßte. Mit dem nahenden Konzerttermin besserte sich jedoch das Wetter und lud zu Spaziergängen und Erkundungen ein, und da der Wiener Singverein auch außerhalb der Musik keine Höhenangst kennt, besuchten fast alle den 508 Meter hoch aufragenden Wolkenkratzer "Taipeh 101", das Wahrzeichen der Hauptstadt. Die beiden Konzerte waren dann absolut umjubelte Erfolge, rund 4000 Menschen lauschten den Klangmassen der Symphonie mit dem fast magisch aus dem Nichts einsetzenden Chor im Finale. Ein weiterer Tag der Erholung schloss sich an, bevor der vierzehnstündige Rückflug mit einem "Dreamliner"-Jet über den halben Erdball den Wiener Singverein sicher nach Hause brachte.
Alexander Keuk